Definition "Grundpflege"

Zur Grundpflege im Sinne der Pflegeversicherung gehört

im Bereich der Körperpflege

  1. das Waschen
  2. das Duschen
  3. das Baden
  4. die Zahnpflege
  5. das Kämmen
  6. das Rasieren
  7. die Darm- oder Blasenentleerung

im Bereich der Ernährung

  1. das mundgerechte zubereiten
    der Nahrung
  2. die Aufnahme der Nahrung

im Bereich der Mobilität

  1. Aufstehen und Zu-Bett-Gehen
  2. An- und Auskleiden
  3. Gehen
  4. Stehen
  5. Treppensteigen
  6. Verlassen und
    Wiederaufsuchen der Wohnung

Quelle: "Richtlinien der Spitzenverbände der Pflegekassen zur Begutachtung von Pflegebedürftigkeit nach dem XI. Buch des Sozialgesetzbuches"
veröffentlicht vom MDS (Essen) im August 2006, Seite 139f


Pflegestufe 0

Als die Pflegeversicherung eingeführt wurde, musste entschieden werden, wer in welchem Umfang Leistungen bekommen kann. Dazu wurden drei Pflegestufen eingeführt. Es wurden politische Entscheidungen getroffen, um die Ausgaben zu begrenzen. Bei der Einstufung wird ein deutlicher Schwerpunkt auf den Bereich der Grundpflege gelegt. Es wird berücksichtigt, was nötig ist, um Körperpflege, Kleidung, Toilettengänge, Nahrungsaufnahme und dazu benötigten Wege zu bewältigen. Hilfen bei der Freizeitgestaltung, allgemeine Beaufsichtigung und Betreuung, aber auch ärztlich verordnete Maßnahmen der häuslichen Krankenpflege spielen bei der Einstufung kaum eine Rolle.

Um die Pflegestufe I zu erreichen, müssen regelmäßig und auf Dauer, täglich und durchschnittlich Hilfen im Umfang von mindestens 90 Minuten nötig sein und davon müssen mindestens 46 Minuten auf mindestens zwei Verrichtungen der Grundpflege entfallen.

Viele Menschen, die regelmäßig Unterstützung brauchen, um in den eigenen vier Wänden bleiben zu können, sind nicht auf so umfangreiche Hilfen angewiesen.

Das wird in der Umgangssprache Pflegestufe 0 genannt.

Wenn "eingeschränkte Alltagskompetenz" bescheinigt wurde, können seit 2008 bis zu 2400,00 Euro pro Jahr für die Nutzung gerontopsychiatrischer Zusatzangebote in Anspruch genommen werden - auch wenn ihnen nicht die Pflegestufe I zugesprochen wurde. Mit der Pflegereform 2012 wurde beschlossen, dass seit dem 01.01.2013 für diesen Personenkreis monatlich 120,00 Euro Pflegegeld / bis zu 225,00 Euro für Sachleistungen gezahlt werden.

  • Besteht regelmäßiger Pflegebedarf ohne die Voraussetzungen der Pflegestufe zu erfüllen können auch die Beratungsbesuche (§ 37 Absatz 3, SGB XI) in Anspruch genommen werden. In diesem Rahmen können unsere Pflegefachkräfte, oft nützliche Hinweise geben.
  • Die meisten stationären Pflegeeinrichtungen dürfen nur Menschen aufnehmen, denen im Gutachten des MDK bescheinigt wurde, dass eine vollstationäre Pflege erforderlich ist. Dies wird manchmal als Pflegestufe 0 oder "Heimbedürftigkeitsbescheinigung" bezeichnet. Das kann auch ausgestellt werden, wenn die Voraussetzungen für die Pflegestufe I nicht erfüllt sind.

Der Antrag zur Einstufung in eine Pflegestufe muss bei der Pflegekasse gestellt werden.

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Pflegestufe I

Erhebliche Pflegebedürftigkeit

Die "erhebliche Pflegebedürftigkeit" beginnt, wenn täglich durchschnittlich mindestens 90 Minuten lang Hilfe geleistet werden muss und davon mindestens 46 Minuten auf mindestens zwei Verrichtungen der Grundpflege entfallen.

Beispiel:
Eine Dame lebt im eigenen Haushalt. Sie benötigt Hilfe beim Waschen von Intimbereich und Unterkörper. Außerdem kann sie Hosen und Strümpfe nicht allein anziehen. Das Ausziehen klappt abends mühsam aber ohne Hilfe. Einmal wöchentlich wird Hilfe beim Baden benötigt. Drei Mal in der Woche kommt die Tochter, bringt vorgekochtes Essen, kauft ein und macht weitere Hausarbeiten.

Hier sind meist die Voraussetzungen für die Stufe I erfüllt.

Bei Pflegestufe I werden 235,00 Euro Pflegegeld bzw. 450,00 Euro als Sachleistung monatlich ausgezahlt.

Wenn "eingeschränkte Alltagskompetenz" bescheinigt wurde, können seit 2008 bis zu 2400,00 Euro pro Jahr für die Nutzung gerontopsychiatrischer Zusatzangebote in Anspruch genommen werden. Mit der Pflegereform 2012 wurde beschlossen, dass seit dem 01.01.2013 für diesen Personenkreis zusätzlich zu den Leistungen der Pflegestufe I monatlich 70,00 Euro Pflegegeld / bis zu 215,00 Euro für Sachleistungen gezahlt werden. 

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Pflegestufe II

Schwerpflegebedürftigkeit

Die "Schwerpflegebedürftigkeit" beginnt, wenn täglich durchschnittlich mindestens drei Stunden lang Hilfe geleistet werden muss und davon mindestens zwei Stunden auf die Grundpflege entfallen. Die grundpflegerische Hilfe muss täglich zu mindestens drei verschiedenen Zeiten nötig sein. Es muss mehrmals in der Woche hauswirtschaftliche Hilfe notwendig sein.

Beispiel:
Ein Herr lebt im Haushalt mit seiner Ehefrau. Er benötigt Anleitung beim Waschen von Gesicht, Händen und Intimbereich. Teilweise und bei Bedarf vollständige Übernahme beim Waschen des übrigen Körpers, bei Zahnpflege, Kämmen und Ankleiden. Morgens übernimmt das ein Pflegedienst. Das Essen von mundgerecht vorbereiteten Mahlzeiten klappt ohne Hilfe. Getränke müssen eingeschenkt und zum Trinken muss immer wieder aufgefordert werden. Abends übernimmt die Ehefrau teilweise das Umziehen und die Intimpflege. Es ist umfangreiche Hilfe beim Duschen und Haarewaschen nötig. Die hauswirtschaftliche Versorgung ist durch die Ehefrau gewährleistet.

Hier sind meist die Voraussetzungen der Pflegestufe II erfüllt.

Bei Pflegestufe II werden 440,00 Euro Pflegegeld bzw. 1100,00 Euro als Sachleistung monatlich ausgezahlt.

Wenn "eingeschränkte Alltagskompetenz" bescheinigt wurde, können seit 2008 bis zu 2400,00 Euro pro Jahr für die Nutzung gerontopsychiatrischer Zusatzangebote in Anspruch genommen werden. Mit der Pflegereform 2012 wurde beschlossen, dass seit dem 01.01.2013 für diesen Personenkreis zusätzlich zu den Leistungen der Pflegestufe II monatlich 85,00 Euro Pflegegeld / bis zu 150,00 Euro für Sachleistungen gezahlt werden.

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Pflegestufe III

Schwerstpflegebedürftigkeit

Die "Schwerstpflegebedürftigkeit" beginnt, wenn täglich durchschnittlich mindestens fünf Stunden lang Hilfe geleistet werden muss und davon mindestens vier Stunden auf die Grundpflege entfallen und der konkrete Hilfebedarf jederzeit, auch nachts, gegeben ist (rund um die Uhr). Die schlichte Verlagerung von Pflegemaßnahmen in die Nachtstunden (22 Uhr - 6 Uhr) reicht nicht aus.

Beispiel:
Eine Dame lebt im Haushalt der Tochter. Sie benötigt Anleitung beim Waschen von Gesicht, Händen und Intimbereich. Teilweise und bei Bedarf vollständige Übernahme beim Waschen des übrigen Körpers, bei Zahnpflege, Kämmen und Ankleiden. Beim Essen geht die Anleitung oft in die Übernahme über. Mehrmals täglich muss die Dame zur Toilette geführt werden, regelmäßig ein bis zweimal in der Nacht, da auch nachts der Wirkung des Inkontinenzmaterials nicht getraut wird. Anschließend ist Intimpflege erforderlich. Bei allen Gängen in der Wohnung muss die Dame begleitet werden. Das Gehen am Rollator ist mühsam und zeitintensiv.

Hier sind meist die Voraussetzungen der Pflegestufe III erfüllt.

Bei Pflegestufe III werden 700,00 Euro Pflegegeld bzw. 1550,00 Euro als Sachleistung monatlich ausgezahlt.

Wenn "eingeschränkte Alltagskompetenz" bescheinigt wurde, können seit 2008 bis zu 2400,00 Euro pro Jahr für die Nutzung gerontopsychiatrischer Zusatzangebote in Anspruch genommen werden.

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Härtefallregelung

Sind die Voraussetzungen der Pflegestufe III erfüllt, übersteigt die geleistete Pflege diese Bedingungen aber noch deutlich, kann die Härtefallregelung in Anspruch genommen werden. Sie greift, wenn

  • auch nachts regelmäßig zwei Pflegepersonen gleichzeitig benötigt werden (z. B. zur Lagerung eines übergewichtigen Menschen)

oder

  • die Hilfe bei der Körperpflege, der Ernährung oder der Mobilität (Grundpflege) täglich durchschnittlich sieben Stunden erfordert, wobei mindestens zwei Stunden auf die Nacht entfallen müssen.


Bei Pflegestufe III Härtefall werden 700,00 Euro Pflegegeld bzw. 1918,00 Euro als Sachleistung ausgezahlt.

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